Sehnsucht

Was es ist ... InterNetLiebe

Es ist ein Fake 
sagt die Vernunft
Es ist ein liebender Mann
sagt das Herz
     
Es ist Unsinn
hier zu suchen
sagt die Vernunft
Es ist eine Möglichkeit
sagt die Hoffnung
 
Es bringt Dir leere Versprechungen
sagt die Berechnung
Es bereitet Dir nichts als Schmerz
sagt die Erfahrung
Es sind so schöne Zeilen
sagt die Romantik

Es ist ein Labyrinth
sagt die Einsicht
Es wird zur Sucht
sagt die mahnende Stimme
 
Es ist kindisch
sagt der Stolz
Es macht so viel Spass
sagt das innere Kind
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist so sicher
sagt das System

Es ist unmöglich
sagt die schwindende Kraft

Es ist was es ist
es ist die InterNetLiebe

Es ist das Staubkorn im Wind
sagt die Gewissheit
Es ist was es ist
es ist die Liebe


Ein Dank an Erich Fried ins Universum für die Inspiration

Die unstillbare Gier

 

Diesen Song unglaublich eindrücklich in der Interpretation von Steve Barton! Ich höre ihn immer noch - ohne ihn zu hören. Vor einigen Wochen real im Musical gehört und nun, er lebt in mir, wie ein Parasit ...

Und ich frage mich, womit füttere ich ihn in mir ?

Ist es die Gier hier ? Die Gier in Joys Gässchen? Meine? - die der anderen? Was hält mich hier noch auf der Suche  in dieser Stadt JoyCity? In einer Stadt, in der so viel Trug und Lug herrscht, Gier nach immer mehr und neuer Haut. Aber auch so viel Einsamkeit, die mich, wenn ich dem Menschen dann real begegne, nicht mehr los lässt. Die Frage so mancher Männer nach Karriereaufstieg - und nun, was habe ich erreicht?

Und ich selbst? Was habe ich erreicht? Im Leben? Und wo stehe ich hier? In dieser Stadt der dunklen Gässchen,  aber auch der Stadt mit den gemütlichen Bars und wenigen sonnigen Plätze - diese Plätze, die nur Insider kennen, die Geheimtips sind und selten weitergegeben werden, damit sie nicht unter Überbevölkerung leiden, wie die dunklen Ecken, an denen man Brechts Engel trifft. Die sonnigen Plätze, an denen man sich offen, frei und ehrlich begegnet, sich nicht mit dem Mantel der Dunkelheit nur einer Nacht bedeckt. So viele Plätze, Gassen habe ich hier nun schon gesehen, wurde überall angesprochen, war alleine oder zu zweit unterwegs. Oft überfällt mich dieses Gefühl - nichts wir raus aus dieser Stadt! ich verliere mich darin, alle zerren an mir, tausend Hände grabschen aus den dunklen Winkeln nach mir, schwarz behandschuht. Sie versuchen mich auszusaugen bis nur eine  leere Hülle zurück bleibt. Und dieses sich dessen Erwehren, den Weg zurück an die anderen Plätze, er fordert immer wieder so viel Kraft.

Bin auch ich der Gier erlegen? Immer mehr, immer neue Menschen, immer wieder interessante Menschen kennen zu lernen? Dieser unstillbaren Gier, die so oft Leere zurück lässt und nur kaltes feuchtes Feuer entfacht.

Aber irgendwo in Joys City - da müsste sie doch sein, die Flamme, an der ich mich entzünde und lichterloh brenne und glühe, bis ich endlich Asche bin ...

 

schon vor einigen Wochen auf einem bestimmten Forum veröffentlicht und heute nun etwas adaptiert hier ...

Nackt

Nackt zeige ich meinen Körper
Entblösse Schichten meiner Seele
Vor anderen
Vor mir selbst
entdecke sie
häute mich 
wie eine Zwiebel
Schicht um Schicht

locke mit meinem Profil
reize mit meinem Körper
schmeichle mit meiner Seele

und heute Nacht
schenkt mir
ein Mann
Sein Gedicht
Für MICH

entblösst sich
zeigt sich nackt
zeigt sich verletzlich

oh weh
so viel Tiefe
so viel Gefühl

wünscht mich durch die Spirale
seines Schneckenhauses in SICH 

und ICH
ICH kann nicht
einmal mehr
kann ich NICHT

ich möchte seine Nacktheit
bedecken
möchte sie vor mir verbergen
möchte ihn umhüllen
mit einem betäubenden Balsam
damit er 
den Messserstich
durch sein Herz
nicht spürt

und einmal mehr

zeige ich mich nackt

 "So sehr wir auch ablegen, was wir tragen, wir gelangen nie zur Nacktheit, denn die Nacktheit ist ein Phänomen der Seele und nicht des Kleiderablegens."

Fernando Pessoa

Die schönste aller Süchte

Die schönste aller Süchte -

Die Sehnsucht -

Die schönste und vielleicht die schwerste?

Was wären wir ohne die Sehnsucht? Sie zwingt uns auf die Suche, die Suche zum anderen, zu uns selbst. Sie treibt uns voran und schreit danach erfüllt zu werden. Immer aufs Neue, schier unerschöpflich - ein schmerzliches Verlangen, sich verzehren vor Sehnsucht ...

"Sehnsucht ist die Nabelschnur des höheren Lebens" - Søren Kierkegaard, Tagebucheintrag vom 2. Feb. 1839

Was ist diese Sehnsucht nach Sex, Liebe, Nähe? Der Wunsch nach Einheit - einer Einheit, die es so wohl nicht gibt? Ist es der Wunsch nach Erfüllung? Sind wir uns selbst nicht genug? Müssen wir uns durch den anderen fühlen? Verbindung?

Das Sehnen - dehnt es mich, weitet es mich oder engt es mich ein? Bringt es mich dazu, Grenzen weiter zu stecken, Hindernisse nieder zu mähen oder weckt es Illusionen? Werde ich blau-äugig und schwebe  fern jeder Realität ? Und wenn schon! Der Mensch braucht Träume!

Wie sagt Kant:

"Der leere Wunsch, die Zeit zwischen dem Begehren und dem Erwerben des Begehrten vernichten zu können, ist Sehnsucht".

Die Zeit dazwischen vernichten - eine Ungeduld - dulden - erdulden. Was ist mit den Geduldigen, tragen sie keine Sehnsucht in sich? Oder weniger, gleichmütiger als ich? Ich bin oft ungeduldig. Wie kann ich dann leiden! Rastlos  und unruhig sein.
 

In der Nacht bricht mein Herz aus mir heraus. Mit aller Macht bahnt es sich den Weg aus der Brust. Welch ein Schmerz! Es zieht suchend in die Dunkelheit, seinen Weg wohl wissend, Dich findend, es zerfließt zu Dir, in Dich hinein, verschmilzt für die Ewigkeit einer Nacht mit deinem Herzen, ein Herzblut, welches die Glut in unseren Adern entfacht! Mit aller Macht brichst Du in mich ein. Der Schmerz eine kurze Zeit gestillt, unsere Körper, unsere Seelen, unsere Geister verschmelzen, vermischen sich. Wir erfühlen uns als Einheit mit zwei Seelen - eine Legierung, ein ÖL in Wasser Gemisch - schütteln durchmischen und wieder trennen - oder eine Emulsion-Vermischung zweier nicht mischbarer. Ein Gleiten, ein Schwingen in  Harmonie, Wogen aufbrausend, Wogen glättend. Der Tag bricht an! Entzweit! Wo bist Du? Die Sehnsucht sucht Dich unbeirrt ....

"Wir wollen uns nie so ganz zu besitzen glauben, daß wir uns nicht noch nach einander sehnen müßten". - Christian Morgenstern

Und wenn ich Dich gefunden habe, Ich Dich und Du Mich, hat das Sehnen dann ein Ende? Und wenn das Sehnen ein Ende hat, ist dann auch die Liebe zu Ende, ausgesehnt, ausgelebt? NEIN! Wir bleiben beweglich, wir sind uns weiterhin ein Rätsel, wir üben uns in Sehnsucht. Geht das? Sehnsucht üben, lernen, frisch halten, damit ich mich nicht plötzlich statt nach Dir nach ANDEREN sehne? Ewige Sehnsucht?

Die Sehne - die Sehne des Bogens, der einen Pfeil schiesst, bis zum Zerreissen gespannt, losgelassen und voll auf ein Ziel zu, durch die Luft, schwerelos, zielstrebig, unbeirrt, kraftvoll. Und hat er sein Ziel erreicht, dann ist die Sehne entspannt. Und erneut wird sie  gespannt für ein neues Ziel oder dasselbe ...

Die Sehnen unseres Körpers, unsere Beweglichkeit, unsere Anspannung - auch unsere Entspannung, Lockerung, unser Loslassen?

Sehne ich mich nur nach der Liebe, nach Dir? Nein ich sehne mich nach 

vielem:

erfüllter Arbeit, Frieden auf der Welt, meinen Kindern, meinen Toten, meinem Hund, nach neuen Aufgaben, nach neuen Chancen..
nach Erfüllung gänzlich....

nach Fülle in MIR

bis ich so voll bin

dass ich in Staub zerfallen darf

und dann

dann sehne ich mich immer noch danach

eine kleine Spur zu hinterlassen 


Da das Sehnen wohl kein Ende hat, wird dieses Fragment wohl auch erweitert und geändert. Dies nur als Hinweis für mögliche Kommentare!

"Eigentlich ist es ein Glück, ein Leben lang an einer Sehnsucht zu lutschen." - Theodor Fontane

Nur ein Hauch

.

Liebster ...

... trunken von dir steige ich aus dem warmen Wasser. Du hast mich erfüllt, ausgefüllt, umgeben. Dich in mir ergossen bis zum Zusammenfliessen unserer Säfte. Ich glühe von deiner unerschöpflichen Herzenswärme, spüre noch immer deine Nähe - das Gleiten deiner Hände auf mir. Du bist allgegenwärtig und doch meilenweit  entfernt.

Um deinen Hals hängt nun eine feine goldene Kette, daran eine kleine Amphore. Sie ist verschlossen mit einem Korken. Darin bin ICH. Wann immer du mich willst, wenn du mich brauchst, wenn deine Begierde sich ins Unermessliche steigert, es dich nach mir gelüstet, dann nimm den Korken und ziehe ihn sachte hinaus. Ich werde um dich, in dich strömen - durch alle deine Poren und Öffnungen und dich erfüllen, deinen Hunger stillen - wie und so oft es dir be-LIEBT.

Und wenn du müde von mir bist, ohne mich sein möchtest, dann umfasse  das Fläschchen mit deiner Hand und hauche hinein und ich versinke darin bis zum nächsten Öffnen. Und eines Tages, wenn du meiner überdrüssig geworden bist, so fahre mit mir ans Meer. Öffne dort die Amphore und lasse mich behutsam in das Wasser fliessen, dass ich mit den Wellen gleiten kann, bevor ich dich ein letztes Mal mit einem Lächeln ansehe und beschenke, um dann  hinter dem Horizont Eins zu werden mit der Unendlichkeit...

Amphore.jpg



Copyright ©2014 -2017 WindGeschenke