Die schönste aller Süchte

Die schönste aller Süchte -

Die Sehnsucht -

Die schönste und vielleicht die schwerste?

Was wären wir ohne die Sehnsucht? Sie zwingt uns auf die Suche, die Suche zum anderen, zu uns selbst. Sie treibt uns voran und schreit danach erfüllt zu werden. Immer aufs Neue, schier unerschöpflich - ein schmerzliches Verlangen, sich verzehren vor Sehnsucht ...

"Sehnsucht ist die Nabelschnur des höheren Lebens" - Søren Kierkegaard, Tagebucheintrag vom 2. Feb. 1839

Was ist diese Sehnsucht nach Sex, Liebe, Nähe? Der Wunsch nach Einheit - einer Einheit, die es so wohl nicht gibt? Ist es der Wunsch nach Erfüllung? Sind wir uns selbst nicht genug? Müssen wir uns durch den anderen fühlen? Verbindung?

Das Sehnen - dehnt es mich, weitet es mich oder engt es mich ein? Bringt es mich dazu, Grenzen weiter zu stecken, Hindernisse nieder zu mähen oder weckt es Illusionen? Werde ich blau-äugig und schwebe  fern jeder Realität ? Und wenn schon! Der Mensch braucht Träume!

Wie sagt Kant:

"Der leere Wunsch, die Zeit zwischen dem Begehren und dem Erwerben des Begehrten vernichten zu können, ist Sehnsucht".

Die Zeit dazwischen vernichten - eine Ungeduld - dulden - erdulden. Was ist mit den Geduldigen, tragen sie keine Sehnsucht in sich? Oder weniger, gleichmütiger als ich? Ich bin oft ungeduldig. Wie kann ich dann leiden! Rastlos  und unruhig sein.
 

In der Nacht bricht mein Herz aus mir heraus. Mit aller Macht bahnt es sich den Weg aus der Brust. Welch ein Schmerz! Es zieht suchend in die Dunkelheit, seinen Weg wohl wissend, Dich findend, es zerfließt zu Dir, in Dich hinein, verschmilzt für die Ewigkeit einer Nacht mit deinem Herzen, ein Herzblut, welches die Glut in unseren Adern entfacht! Mit aller Macht brichst Du in mich ein. Der Schmerz eine kurze Zeit gestillt, unsere Körper, unsere Seelen, unsere Geister verschmelzen, vermischen sich. Wir erfühlen uns als Einheit mit zwei Seelen - eine Legierung, ein ÖL in Wasser Gemisch - schütteln durchmischen und wieder trennen - oder eine Emulsion-Vermischung zweier nicht mischbarer. Ein Gleiten, ein Schwingen in  Harmonie, Wogen aufbrausend, Wogen glättend. Der Tag bricht an! Entzweit! Wo bist Du? Die Sehnsucht sucht Dich unbeirrt ....

"Wir wollen uns nie so ganz zu besitzen glauben, daß wir uns nicht noch nach einander sehnen müßten". - Christian Morgenstern

Und wenn ich Dich gefunden habe, Ich Dich und Du Mich, hat das Sehnen dann ein Ende? Und wenn das Sehnen ein Ende hat, ist dann auch die Liebe zu Ende, ausgesehnt, ausgelebt? NEIN! Wir bleiben beweglich, wir sind uns weiterhin ein Rätsel, wir üben uns in Sehnsucht. Geht das? Sehnsucht üben, lernen, frisch halten, damit ich mich nicht plötzlich statt nach Dir nach ANDEREN sehne? Ewige Sehnsucht?

Die Sehne - die Sehne des Bogens, der einen Pfeil schiesst, bis zum Zerreissen gespannt, losgelassen und voll auf ein Ziel zu, durch die Luft, schwerelos, zielstrebig, unbeirrt, kraftvoll. Und hat er sein Ziel erreicht, dann ist die Sehne entspannt. Und erneut wird sie  gespannt für ein neues Ziel oder dasselbe ...

Die Sehnen unseres Körpers, unsere Beweglichkeit, unsere Anspannung - auch unsere Entspannung, Lockerung, unser Loslassen?

Sehne ich mich nur nach der Liebe, nach Dir? Nein ich sehne mich nach 

vielem:

erfüllter Arbeit, Frieden auf der Welt, meinen Kindern, meinen Toten, meinem Hund, nach neuen Aufgaben, nach neuen Chancen..
nach Erfüllung gänzlich....

nach Fülle in MIR

bis ich so voll bin

dass ich in Staub zerfallen darf

und dann

dann sehne ich mich immer noch danach

eine kleine Spur zu hinterlassen 


Da das Sehnen wohl kein Ende hat, wird dieses Fragment wohl auch erweitert und geändert. Dies nur als Hinweis für mögliche Kommentare!

"Eigentlich ist es ein Glück, ein Leben lang an einer Sehnsucht zu lutschen." - Theodor Fontane

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